HALTgeben – Hohe Patient*innen-Zufriedenheit durch alter(n)s- und lebensphasengerechte Arbeitsgestaltung und Berufsverlaufsmodelle in der Pflege

Das Projekt HALTgeben wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF18006 in der Laufzeit vom 01.02.2019 bis zum 30.04.2022 gefördert.

Konsortialpartner war der Bereich Medizinische Soziologie des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Ulm.

Kooperationspartner waren die Kliniken Region Hannover (KRH), das Evangelische Altenzentrum Bruchsal (EAZ) und der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK DV).

Im Projekt HALTgeben wurde die Hypothese geprüft, dass Veränderungen in den Arbeits- und betrieblichen Rahmenbedingungen in der Pflege zu Verbesserungen der Arbeitsfähigkeit von Pflegekräften und dadurch zu einer höheren Zufriedenheit von Patient:innen führen.
Dieses Ziel konnte nur bedingt erreicht werden. Einerseits haben die Interventionen nicht zu statistisch nachweisbaren Veränderungen in Interventionsbereichen im Vergleich zu Kontrollgruppen geführt und die Zufriedenheit von Patient:innen hat sich auch nicht bedeutsam verändert. Andererseits ist die Zufriedenheit der Projektpartner mit den erreichten Ergebnissen durchaus positiv. Bemerkenswerten Einfluss auf die Ergebnisse hatten die Auswirkungen der Corona-Pandemie durch organisatorische Verwerfungen (Stationsschließung, Personalumsetzung) und zusätzlichen in dividuellen Belastungen mit Folgen für die Arbeitsfähigkeit.
Wie so häufig bei Veränderungsprozessen: Organisatorischer Wandel hängt vom Willen und von Fähigkeiten einzelner Personen ab. Und: Haken (Interventionen) ohne Ösen (Entscheidung und Umsetzung) bewirken gegebenenfalls Irritation bis hin zu Resignation oder gar Verweigerung, aber keine gravierenden Wirkungen. Das Projekt hat Nachdenken gefördert, manche Verbesserungen bewirkt, die durchaus als Impuls für Adaptionen dienen können, jedoch nicht den Nachweis nachhaltig wirksamer Interventionen erbracht.
War es zu ambitioniert? – Nein, denn die Praxis zeigt die Evidenz; es fehlt „lediglich“ der wissenschaftliche Nachweis.
Oder waren die Rahmenbedingungen nicht geeignet? Ja. Die Vermutung ist, dass ohne die gravierenden Einschnitte infolge der Corona-Pandemie etliches anders verlaufen wäre.
Wie so häufig im Konjunktiv: Wirklich wissen können wir es nicht. Aber wir wissen, dass es allemal und dringend notwendig ist, die Pflegearbeit über den gesamten Berufsverlauf physisch, psychisch, mental und sozial schädigungslos, ausführbar, zumutbar, beeinträchtigungsfrei und persönlichkeitsförderlich zu gestalten. Wir haben viele hoch engagierte, motivierte Personen erlebt. Wir sind dankbar für die offenen Gespräche, die von Leidenschaft für den Beruf und Lust auf Entwicklung geprägt waren. Allerdings kann Leidenschaft Leiden schaffen. Es gilt, die Arbeitsbedingungen menschengerecht zu gestalten. Insofern ist der notwendige Paradigmenwechsel vom Versorgungs- zu einem an Gesundheitsförderung ausgerichteten System dringlich zu bewerkstelligen. Der ökonomische Druck auf die stationären wie ambulanten Einrichtungen muss verringert werden zugunsten einer qualitativen Gesundheitspolitik, welche die pflegenden und die zu pflegenden Menschen zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Funktion macht und die Strukturen daran ausrichtet!

K. Thönnessen, A. Frevel, H. Geißler (AuZ e.V.), R. Peter (Universität Ulm): HALTgeben – Hohe Patient*innen-Zufriedenheit durch alter(n)s- und lebensphasengerechte Arbeitsgestaltung und Berufsverlaufsmodelle in der Pflege. Ergebnisbericht G-BA Innovationsausschuss 01VSF18006, https://innovationsfonds.g-ba.de/downloads/beschluss-dokumente/488/2023-11-16_HALTgeben_Ergebnisbericht.pdf. – Hamburg/Berlin, 2023

A. Frevel, H. Geißler, K. Thönnessen: Alter(n)s- und lebensphasengerechte Arbeit und Berufsverläufe in der Pflege. – In: Knieps, F., Pfaff, H. (Hrsg.): Pflegefall Pflege? BKK Gesundheitsreport , Berlin 2022, S. 438-444

„HALTgeben in der Pflege“ [https://youtu.be/7kLNbjyEXI0]: Hrsg.: Arbeit und Zukunft e.V. (2022). – HALTgeben in der Pflege.mov. – Dauer: 00:24:47 h, 2,9 GB. – Filmproduktion, Interviews und Schnitt: Kreuzweise Filmproduktion Lübeck / Bliestorf.


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